SEOM Interview im MaaS Magazin des Animaa Verlages

Gib nicht auf!

Nach einer Durststrecke von 17 Jahren kam der lang ersehnte Durchbruch. Und dann ging’s ab …
In dieser Lebensgeschichte des Musikers SEOM steckt so viel Weisheit wie in den Texten seiner Songs. Lass dich berühren und erfahre, wie du ohne Umwege durchstartest.

Drei Berufe und eine Berufung
Mein beruflicher Weg war nicht geradlinig. Ich habe drei verschiedene Berufe: Ich bin Erzieher, habe eine kaufmännische Ausbildung und das Staatsexamen als Logopäde. In diesem Beruf bin ich heute noch tätig. Phasenweise habe ich versucht, von der Musik zu leben, aber das hat nicht funktioniert. Irgendwie muss man ja Geld verdienen. Da habe ich mir Berufe ausgesucht, bei denen ich mit einfließen lassen konnte, was mich begeistert: mit Kindern zu arbeiten, den Menschen zu helfen. Aber ich kam immer wieder an Grenzen, zum Beispiel weil es nicht meiner Herzensvorstellung entspricht wie man im heutigen Erziehersystem mit Kindern umgeht. Nebenbei habe ich immer weiter meine Alben geschrieben. Der Fokus lag durchgehend auf der Musik. Beim stundenlangen stumpfsinnigen Einräumen von Schuhen in Regale habe ich nebenher Songzeilen auf Zettelchen geschrieben, die ich mir in die Hosentasche gesteckt habe. Am Abend habe ich meine 20 Zettelchen bis spät in der Nacht auf Beats gelegt und am nächsten Tag ging das Spiel von vorne los. Herauszufinden, was meine Berufung ist, war nicht die Frage. Die Herausforderung war, davon leben zu können.
Das Problem war, dass ich den Glauben der anderen zu meinem erklärt habe
„Musik die tief geht und emotionale Themen behandelt, mag schön sein, ist aber in der Musikindustrie nicht gefragt“, haben die Menschen um mich herum gesagt, und ich habe ihnen mehr geglaubt als mir selbst! Somit sind 17 Jahre des Wartens daraus geworden, wahrscheinlich hätten drei gereicht. Es ist Quatsch, dass die Leute oft glauben, man könnte von seiner Berufung nicht leben. Heute weiß ich das. Als ich das Buch „Feel Go(o)d“ geschrieben habe, stand für mich im Inneren fest, dass ich einen Verlag finden würde, sobald der letzte Satz geschrieben war. Es war also nur eine Frage der Zeit. Mein Umfeld zweifelte daran: „So einfach ist das nicht, mit einem Manuskript über spirituelle Themen einen Verlag zu finden. Wie viele Leute schreiben da und kriegen keinen Verlag! Wie oft wurde Harry Potter abgelehnt!“ Eine E-Mail hat genügt und ich hatte einen Verlag, der mein Buch veröffentlichte. Ich hätte sogar noch einen zweiten Verlag haben können, ich hatte die Wahl.

Viele Menschen geben zu früh auf oder arbeiten zu wenig an sich und ihren Fähigkeiten
Es reicht nicht aus, sich vorzustellen, dass man Popstar wird, und ist es im nächsten Monat. Vertrauen und Geduld werden in der spirituellen Szene oft vernachlässigt. Es ist eben nicht so, dass das Geld buchstäblich vom Himmel fällt, wenn man den Gedanken nur fest genug visualisiert. Die Macht der Gedanken kann einen überall hin bringen. Sie kann Tore öffnen, wo vorher Wände waren, aber man darf nicht vergessen durchzulaufen. Erfolg stellt sich ein, wenn man jeden Tag an sich arbeitet. Aber das ist keine ermüdende Arbeit, sondern freudig und erfüllend. Auch an Tagen, wenn man Angst hat, müde oder frustriert ist, darf man weitermachen. Dann wird man sein Ziel erreichen. Viele Menschen vergessen das. Sie geben zu früh auf oder arbeiten zu wenig an sich und ihren Fähigkeiten. Wesentliche Zutaten für den Erfolg sind Glaube, Liebe, Geduld und Vertrauen in den eigenen Weg. Es ist ganz wichtig, Entscheidungen mit dem Herzen zu treffen. Einmal habe ich ein finanziell einmaliges Angebot abgelehnt, weil ich dann von meinem Herzensweg abgekommen wäre. Und dann kam eine zweite, noch bessere Chance.

Irgendwann führt dich ein Licht aus dem Rauch. Gib nicht auf!
Den Song „Gib nicht auf“ habe ich schon 2004 geschrieben. Der war so stark, dass mein Vater davon total überzeugt war. „Wenn du es schaffst, dann schaffst du es mit diesem Lied. Das wird dein Durchbruch sein“, hat er gesagt. Aber es hat noch zehn endlos scheinende Jahre gedauert. Trotzdem hat es sich gelohnt, diesen Song zu machen. Er hat einem Menschen, der sich umbringen wollte, das Leben gerettet.
Die schwierigste Zeit für mich war, als sich im Außen nichts verändert hat. Jedes Jahr habe ich in demselben Jugendzentrum vor denselben Leuten gespielt, die mit ihrem Handy oder ihrem Bier beschäftigt waren. Ich habe immer mehr Liebe und Leidenschaft in meine Musik gesteckt, aber es schien gar nicht registriert zu werden. Es war kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen, während andere Rapper mit den stumpfsinnigsten Texten berühmt wurden. In dieser Zeit, Anfang 20, war ich ganz auf mich allein gestellt. Was mich weiter gebracht hat, waren Beharrlichkeit und Vertrauen. Ich wusste, dass es irgendwann so weit sein wird. Heute habe ich einige wenige Weggefährten bei mir, vor allem einen Seelenbruder. Ich konzentriere mich auf enge Gefährten und hüte meinen Traum wie einen Schatz, statt ihn mir von vielen Menschen kaputt reden zu lassen.

Unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, ängstigt uns am meisten
Entscheidend für den Wandel hin zum Erfolg war der Moment, in dem ich mich entschlossen habe, mich aus vollem Herzen so zu zeigen, wie ich bin. Ich habe alle Masken fallen gelassen. Ich bin mit spirituellen Themen aufgewachsen: Meine Mutter ist Meditationslehrerin, mein Vater Personal Coach und Heilpraktiker. Mein Großvater hat mir Bücher von Joseph Murphy und anderen zu lesen gegeben, zusammen mit seinen Tagebüchern mit all seinen Erkenntnissen und Gedanken dazu. Aber ich habe mich nie getraut, die spirituellen Weisheiten auf Albumlänge in meinen Songs zu verarbeiten. Ich dachte, dass die Menschen das nicht verstehen und ich in der Rapper-Szene damit nicht ernst genommen werde. Als ich mich entschieden hatte, dass mir das egal ist, weil es um eine viel größere Aufgabe geht, sind alle Schranken gefallen und die Türen haben sich in alle Richtungen geöffnet. Das war der Durchbruch.
Vorher hatte ich meine traurigen, düsteren, verbitterten Empfindungen in Songthemen verarbeitet und mein eigenes Licht mit Absicht etwas gedämpft. Ich habe aus Rücksicht auf die Menschen in meinem bekannten Umfeld weniger geleuchtet, mich nicht getraut zu sagen „Ich habe ein wundervolles Leben und manifestiere Träume!“, um nicht komisch angeschaut zu werden.

Du bist, was du tust, und du tust, was du bist
Du bist dann erfolgreich, wenn du mit nichts hinter dem Berg hältst. Das beschreibe ich in dem Song „Berufung“. Der entstand übrigens während eines Kinobesuchs bei dem Film„ Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“. Der Film handelt davon, dass ein Mensch sich seinen Ängsten stellt und sich selbst verwirklicht. Es ist total wichtig, seine eigenen Ängste zu erkennen und sich ihnen zu stellen. Mit dem Song „Berufung“ hatte ich gerade dazu ein sehr denkwürdiges Erlebnis: Der Text ist so angelegt, dass man sehr leicht die Textbausteine verwechseln kann. Dann passt der Text nicht mehr zu der Musik und alles geht schief. Und genau das ist mir während der Uraufführung am Ammersee passiert. Ich war selbst darüber so erschrocken und hatte so wahnsinnige Angst, dass sich das wiederholen könnte, dass ich den Song danach nicht mehr live spielte. Bis vor drei Monaten. Da habe ich mich entschieden, mich meiner Angst zu stellen, und beschlossen, jedes Konzert mit diesem Song zu beginnen. Drei Tage später erhielt ich die Nachricht, dass Robert Betz per Zufall meinen Song „Berufung“ auf YouTube gehört und auf seiner Facebook-Seite geteilt hat: In der Folge haben 170.000 Leute den Song gehört. Ein Beweis dafür, wie intelligent das Universum spiegelt, was es bedeutet, sich seiner Angst zu stellen.
Erfolg ist kein bestimmter Moment, sondern eine Entwicklung, die in Stufen verläuft und immer noch im Gange ist. Die Stufen sind in der Höhe an die Entwicklung der eigenen Fähigkeiten angepasst, sodass man sie mühelos schaffen kann, wenn man täglich trainiert. Deswegen merkt man nicht direkt, wie hoch man gestiegen ist. Aber ich schreibe Tagebuch, was mir mein Vorankommen rückblickend bestätigt und die Kraft gibt weiterzumachen. Wenn ich in meinem Tagebuch 100 Seiten zurückblättere, überkommt mich ein Gefühl tiefster Dankbarkeit und purer Gnade.
Ich aktiviere meine Vision jeden Tag
Nicht nur der Blick zurück ist wichtig, sondern auch der Blick voraus. Schon vor Jahren habe ich eine 30-seitige Vision niedergeschrieben, wo ich mich in 20 Jahren sehe. Dieses Bild aktiviere ich jeden Tag. Alle drei Monate überprüfe ich die Vision und passe sie gegebenenfalls an. Mit 17 Jahren habe ich mir zum Beispiel eine goldene Platte gewünscht. Das interessiert mich heute nicht mehr. Irgendwann realisiert man, was wirklich erstrebenswert ist: Freiheit, Unabhängigkeit, Menschen tief berühren, authentisch und echt sein. Aktuell visualisiere ich ein Filmmusikorchester, mit dem ich meine neue Platte aufnehme und bei Konzerten große Säle fülle, sowohl mit jungen Leuten als auch mit Menschen um die 50 im Smoking. Ich möchte die Genres sprengen und Hip-Hop-Fans und Klassikfans mit einer Kombination aus spirituell tief gehenden Wahrheiten und klassischer Musik die Herzen öffnen.

Wenn Gott möchte, dass ich viel Gutes tue, dann muss er mir auch viel Gutes geben
Es ist ein Trugschluss, dass man als Idealist und Weltverbesserer kein Geld verdienen kann. Um in der Lage zu sein, viel zu geben, ist es unglaublich wichtig, viel zu bekommen. Ich kann nur mit guten Anlagen gute Musik machen und brauche ein gutes Studio für gute Aufnahmen, brauche gute Kameraleute, um ein gutes Video zu machen und so weiter. Das heißt, es muss im Gegenzug einen Energieausgleich geben. Dann entsteht ein offener Fluss von Geben und Nehmen. Wenn man den Energiefluss auf einer Seite verschließt, kann die Energie nicht fließen und dann hat keiner was davon. Wenn man seinen Wert erkennt, wird dieser Wert auch anerkannt und erhält seinen entsprechenden Ausgleich. Ich habe noch nie erlebt, dass mir jemand gesagt hat, dass mein Album zu teuer wäre.

Ich verwirkliche meinen Lebenstraum
Im Moment arbeite ich noch als Logopäde, aber ich reduziere diesen „Brotjob“ Stück für Stück. Man muss ja nicht alle Aspekte in seinem Leben auf einmal verändern. Es steht oft die Ambivalenz im Raum: Gehe ich voll in die Berufung und stelle mich zusätzlich den Existenzängsten, oder habe ich einfach noch eine bestimmte Sicherheit wie zum Beispiel eine abgesicherte Krankenversicherung und kann mich noch schöner entfalten, weil es mir bestimmte alltägliche Gedankengänge erspart. Die größte Angst der Menschen besteht darin loszulaufen. Es geht bei den meisten nicht darum, auch noch das letzte Sicherheitsnetz fallen zu lassen, sondern darum, den ersten Schritt zu tun – mit gespanntem Netz und doppeltem Boden.
Natürlich brauche ich auch Kraft, meinen bisherigen Beruf auszuüben und gleichzeitig meine Berufung aufzubauen. Die Kraft kommt aus der Freude an dem, was ich tue. Ich folge meinem Herzenswunsch. Das ist Kraft pur!

SEOM über sein Buch "Feel Go(o)d":

"Ich hab das Buch geschrieben, das ich gerne gelesen hätte. Die Literatur zu spirituellen Themen war mir entweder zu wissenschaftlich, zu esoterisch oder zu religiös. Der Mittelweg hat mir gefehlt. Mit meinem Buch stelle ich den Menschen jetzt das Wissen auf eine sehr alltagstaugliche Art und Weise zusammen, in einer modernen Sprache, ein bisschen witzig gemacht, ohne an Tiefe zu verlieren. Ich komme aus der Graffiti-Szene und habe immer noch viele Freunde in der Schattenwelt. Auch denen möchte ich diese Weisheiten vermitteln und ihnen brauche ich nicht mit Engelkarten zu kommen. Ich habe den Anspruch, als Brückenbauer zwischen den Generationen die 60-Jährigen, die schon viel wissen, genauso zu berühren wie die 20-Jährigen, die die Wahrheiten auch verdient haben."

Weitere Einblicke in das MaaS Magazin und die Möglichkeit zur Bestellung findest du hier:

http://www.maas-mag.de/magazin

 

1 Antwort

  1. Lieber Seom,
    deine Authentizität trift so direkt und tief mitten ins Herz.
    Danke für die Sehnsucht, den Mut und die Kraft, die ich ,durch das Eintauchen in deine Worte, jetzt gerade in meinem eigenen Herzen spüre…die Seele pulsiert, das Herz ist weit…und mitten darin sehe ich meine Herzenswünsche, lebt die Vision, realer als zuvor.
    Ich danke dir von ganzem Herzen für das was du schenkst, für deinen Mut, dein dich zeigen und die ganz tief authentische Weise, die ein so tiefes Berühren in Herz und Seele möglich macht, wie ich es gerade fühle.

    Ich war auf deiner Seite auf der Suche nach Informationen über dein Seminar am Samstag im Allgäu, von dem ich auf Facebook gelesen habe. Dazu habe ich hier nichts gefunden…habe ich es übersehen oder an falscher Stelle gesucht?
    Falls du diese Nachricht noch vor Samstag liest, freue ich mich sehr, wenn du mir über meine Email oder das Kontaktfeld auf meiner Homepage nähere Infos zukommen lässt.

    Sonnige Grüße, Nicole

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